Jens Gerlach |
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Gestern habe ich den Film „Im Westen nichts
Neues“
gesehen, einen Film, der die ganze Grausamkeit und Absurdität
eines Krieges zeigt. Bereits das gleichnamige Buch von Erich Maria
Remarque war erschütternd. Die Ereignisse als Film zu sehen,
steigert das Ganze fast ins Unerträgliche.
Ich glaube Remarque hat das Buch, in dem er eigene Erlebnisse
verarbeitet, geschrieben, um die Menschen eindringlich vor einem Krieg
zu warnen und ihnen die Sinnlosigkeit und Brutalität eines
Krieges
vor Augen zu führen und so davon abzuhalten, jemals wieder
einen
Krieg vom Zaun zu brechen.
Welch eine Illusion! Im Mai 1933 wurden seine Bücher
verbrannt.
Eine Ideologie, die sich gegen Militarisierung richtete war eben nicht
geduldet. Es gab im Westen eben nichts Neues, nichts dazu gelernt.
Wenige Jahre später brannten wieder Menschen. In diesem Krieg
sollten 60 Millionen Menschen sterben.
Heute leben wir 80 Jahre nach dem Ende dieses letzten schrecklichen Krieges. Und was haben wir dazu gelernt? Nichts! Im Westen gibt es immer noch nichts Neues. Da spricht unser Verteidigungsminister Boris Pistorius davon, dass Deutschland wieder „kriegstüchtig“ werden muss, da stehen Soldaten in Uniform in Schulklassen und Kinder spielen medienwirksam mit Maschinengewehren und krabbeln durch Panzer.
Kritiker werden mir jetzt vorwerfen, ich leide unter
Realitätsverlust und Putin will ja Krieg gegen uns
führen.
Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Der Krieg des Westens gegen
Russland hat spätestes im Jahr 2008 mit einer Provokation
begonnen, als die Ukraine in die NATO aufgenommen werden sollte. Der
Krieg wurde forciert als 2014 mit Duldung (oder gar
Unterstützung?) des Westens der Präsident Wiktor
Janukowytsch
gestürzt und eine nicht gewählte Regierung unter
Beteiligung
nationalistisch faschistischer Parteien installiert wurde. Und wo waren
die mahnenden Stimmen aus dem Westen, die die Repressalien gegen die
russischstämmige Bevölkerung vor allem im Osten der
Ukraine
und die Einschränkung ihrer Sprache verurteilten?
All das rechtfertigt natürlich nicht den Angriff Russlands auf
die
Ukraine. Das ist zweifellos ein völkerrechtswidriger Krieg.
Nichts
rechtfertigt die Angriffe auf Kiew oder Odessa! Der Krieg kann aber nun
mal nur durch Verhandlungen beendet werden kann. Wie denn sonst?
Glauben Merz, Pistorius und Co. denn ernsthaft, sie könnten
jetzt
den 3. Weltkrieg gegen Russland führen?
Im ersten Weltkrieg starben die Soldaten für Gott, Kaiser und Vaterland, im zweiten Weltkrieg wurden die Soldaten für den Führer verheizt und wofür sollen wir im dritten sterben? Ich höre immer wieder, die westlichen Werte müssen verteidigt werden. Was sind diese Werte? Bis jetzt dachte ich, dass es Recht und die Rechtsstaatlichkeit sein. Doch wenn unser Bundeskanzler Merz nun einen völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran als Drecksarbeit in unserem Namen bezeichnet, ist nicht mehr viel Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen.
Wie 1933 wird auch heute jede Initiative gegen eine zunehmende Militarisierung und Engagement für Verhandlungen als absurd und befremdlich bezeichnet. Heute wird man dann ganz schnell als Putinversteher beschimpft oder in die Ecke der AfD, einer in Teilen faschistischen Partei, gedrängt. Die Ironie dabei: Früher war man Faschist, wenn man Krieg wollte, heute wird man Faschisten gleichgestellt, wenn man sich für Verhandlungen einsetzt. Mit Putin könne man nicht verhandeln, ja Putin will nicht verhandeln wird gebetsmühlenartig berichtet. Da mag etwas dran sein, dass Putin nicht verhandelt, solange der Westen nach wie vor auf der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO beharrt.
Wie wäre es denn, wenn man ideologisch ins Jahr 2001 abrüsten würde. Da hielt Putin im deutschen Bundestag eine Rede, teilweise auch auf Deutsch, in der er um Zusammenarbeit und Partnerschaft warb. Warum hat der Westen die damals ausgestreckte Hand nicht ergriffen? Es bedarf etwas Fantasie und viel diplomatischen Geschicks, aber nur auf dieser Grundlage von Zusammenarbeit und Partnerschaft könnten ehrliche Verhandlungen auf Augenhöhe stattfinden.
Verhandeln - das wäre mal was Neues im Westen. Sonst bleibt nur noch zu hoffen: Aller Kriegspropaganda in ARD und ZDF zum Trotz – „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“